Istituto Nazionale di Studi Verdiani
Warum ein Verdi‑Institut?
Giuseppe Verdi und seine Opern / sein gesamtes Oeuvre genießen /genießt weltweit höchste Wertschätzung. Und deswegen ist es unbestritten, dass Verdi nicht nur ein großer Komponist und Theatermann war, sondern auch eine der bedeutendsten Persönlichkeiten seiner Zeit. Und um sein Leben, sein Werk, sein Umfeld und Verdi als Mensch und Wohltäter besser kennenzulernen und zu verstehen... um zu begreifen, weshalb sein musikalisches Schaffen auch mehr als 120 Jahre nach seinem Tod weltweit verbreitet ist und nahezu täglich aufgeführt wird – wurde 1959 in Parma das Istituto di Studi Verdiani gegründet (ab 1989 Istituto Nazionale di Studi Verdiani).
Entstehungseschichte
Das Istituto di Studi Verdiani (Institut für Verdi Studien) wurde wie gesagt 1959 in Parma gegründet und 1961 offiziell eröffnet. Die Initiative dazu war aus einem kulturpolitischen Bestreben hervorgegangen, Giuseppe Verdis Leben und Werk erstmals auf wissenschaftlicher Grundlage zu erforschen und die vorhandenen Quellen systematisch zugänglich zu machen. So war in einer Zeit, in der die Verdi‑Forschung noch in ihren Anfängen steckte, die Gründung des Instituts ein Meilenstein von nationaler und später auch internationaler Bedeutung.
Mario Medici – der Gründer und erste Direktor
An der Spitze des neuen Instituts stand Mario Medici, ein Mann, der nicht nur über außergewöhnliche organisatorische Fähigkeiten verfügte, sondern auch über eine menschliche Wärme und Hilfsbereitschaft, die ihn weit über Parma hinaus bekannt machten. Und in diesem Sinne prägte seine Persönlichkeit das Institut in den ersten zwei Jahrzehnten entscheidend. Medici war nämlich nicht nur ein leidenschaftlicher Verdi‑Forscher, ein brillanter Kenner der italienischen Oper des 19. Jahrhunderts, zugleich aber auch ein Mann, der mit unermüdlicher Geduld und Freundlichkeit Wissenschaftler, Musiker, Studenten und Interessierte empfing. Viele Besucher des Instituts erinnern sich deswegen bis heute an seine Großzügigkeit, Offenheit und -Fähigkeit, komplexe wissenschaftliche Fragen verständlich zu erklären.
Die Aufbaujahre (1961–1972 und danach
Unter Medicis Leitung entwickelte sich das Institut rasch zu einer der bedeutendsten Einrichtungen für Verdi‑ und Opernforschung weltweit.
Zu seinen wichtigsten selbst gestellte Aufgaben gehörten:
1. der Aufbau einer öffentlichen Bibliothek, die bald zu den größten Verdi‑Sammlungen der Welt zählte
2. die systematische Archivierung Verdis‑Korrespondenz, die heute rund 20.000 Briefkopien umfasst
3. die Herausgabe der ersten Jahrgänge der Studi Verdiani
4. die Etablierung des Instituts als internationaler Bezugspunkt für philologische Forschung
5. die Öffnung des Hauses für Studierende, Dirigenten, Musikwissenschaftler und Opernfachleute aus aller Welt
Medici war ein Mann, der — sowohl im übertragenen als auch im wörtlichen Sinn - stets Türen öffnete. So haben viele Forscher immer wierder darüber berichtet, dass er selbst an arbeitsreichen Tagen nie zögerte, persönlich im Archiv zu helfen, Dokumente zu suchen oder Fragen zu beantworten.
Die nicht ausbleibende schwierige Frage des Verdi‑Archivs
Trotz aller Erfolge gelang es Medici und seinem Team über zwanzig Jahre hinweg nicht, mit der Familie Carrara - Verdi (Eigentümer der Villa Verdi) eine Vereinbarung über die Nutzung des enorme Verdi‑Archivs in Sant'Agata zu erzielen. Und diese Situation belastete das Institut zunehmend, da ein großer Teil der wichtigsten Quellen weiterhin unzugänglich blieb. Und so konnte einem Akt großer Verantwortlichkeit nicht ausbleiben... es 1982 zurücktreten Medicis um dem Institutsvorstand die Möglichkeit zu geben, eine Persönlichkeit mit größerer politischer und akademischer Autorität zu berufen, damit die Verdiforschung sich weiter entwickeln konnte. Und dies führte 1983 zur Ernennung von Prof. Pierluigi Petrobelli, der das Institut bis an seinem Tod 2012 leitete.
Ein Vermächtnis von Menschlichkeit und Wissenschaft
Trotz seines viel zu frühen Rücktritts bleibt Mario Medici bis heute eine der verehrtesten Figuren der Verdi‑Forschung. Und darum steht sein Name für:
wissenschaftliche Seriosität,
menschliche Güte,
unermüdliche Hilfsbereitschaft
und die Überzeugung, dass Kulturinstitutionen immer offen, freundlich und zugänglich sein müssen.
Viele, die ihn kannten, sprechen immer wieder von ihm als einem Mann, der „das Institut zu einem Zuhause für die Verdi‑Forschung gemacht hat".
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