Verdi Erbe (Vierter Teil)

Museumseinnahmen und die offene damit verbunden Frage nach den Geldströmen? Und...  ein Jahrhundert öffentlicher Besucher  und trotzdem ein Haus, das  immer mehr verfiel.

Über viele Jahrzehnte hinweg war die Villa Verdi eines der meistbesuchten privaten Kulturziele Italiens, demzufolge Jahr für Jahr mehrere Tausend Menschen (Touristen)  nach Sant’Agata, um den Wohnort des Maestro zu besichtigen, d.H. 3 der viele Zimmer inkl. Verdis Arbeits- und Schlafzimmer, in der er einige der bedeutendsten Opern der Musikgeschichte zur Papier brachte...  Aida,  Simon Boccanegra (2. Fassung) Otello und Falstaff

Wie groß Jahr für Jahr der besucherzahl  gewesen ist, ist schwierig einzuschätzen; 1000 können es aber bestimmt gewesen sein, also war die Villa Verdi  nicht nur ein kultureller Magnet, sondern auch eine konstante und wichtige Einnahmequelle.

Wie hoch der Anzahl der Besucher Jährlich gewesen ist, ist schwierig einschätbar... 30 bis 40 Tausend wäre aber bestimmt Historisch belegbar, und so auch die damit verknüpften Einnahmen.

1. Die Eintrittspreise im historischen Verlauf

Die Eintrittspreise  um Verdis Haus besuchen zu können haben sich im Laufe der Jahrzehnte wie überall mehrfach verändert. Handelte es sich z. B.  in der  60/70er Jahre um  500/1000 - 1500/2000 It. Lire, so ging es 2020 um 8 Euro. Und darüber hinaus gab es zusätzlich immer schon  Gruppentarife, ein Schulklassentarif und  Sonderführungstarife

Und das bedeutet...  selbst bei konservativer Berechnung ergibt sich über Jahrzehnte hinweg ein erheblicher Einnahmenstrom und damit verbunden jährlich mehrere hunderttausend Euro. Diese Zahlen sind nicht Spekulativ, sondern eine nüchterne mathematische Ableitung aus öffentlich bekannten Besucherzahlen und historischen Eintrittspreisen anderwo.

2. Steuerliche Realität – ohne Vorwürfe, aber mit Kontext

Selbstverständlich sind auch in Italien Privatpersonen steuerpflichtig. Die Villa Verdi war ein privates kein staatliches Museum oder kommunales Haus. Und das bedeutet: die Einnahmen wurden privat verwaltet. Es gab keine öffentliche Rechenschaftspflicht...  es existieren  wahrscheinlich auch keine öffentlich zugänglichen Finanzberichte. Und deswegen waren die Eigentümer stets  allein für die steuerliche Meldung ihrer Einnahmen verantwortlich.  Wenn daher in mehrere regionalen Medien bereits öfters über Schwierigkeiten mit dem Finanzamt berichtet wurde, so macht die Internationale Giuseppe Verdi Stiftung daraus keine Behauptung es ist lediglich die reden einer feststellung, auch das die steuerliche Situation nicht immer konfliktfrei war,

3. Die sichtbare Realität: Ein Haus, das nicht gepflegt wurde

Trotz der -hohen- Besucherzahlen und der über Jahrzehnte hinweg erzielten Einnahmen zeigt der Zustand der Villa Verdi ein Bild, das vor allem in den letzten Jahre viele Besucher zu tiefs erschüttert haben muss. So haben bereits mehrere Beobachter berichtet über undichte Dächer, Risse in Mauern, zerfallende Fensterrahmen, beschädigte Möbel; auch Teile des Archivs Verdis wahren bereits durch Feugt befallen. Und darüber hinaus... der Park  verwilderte immer mehr... auch die ungefähr 75  Meter vom Haus entfernt öffentliche Besuchertoiletten wurden nur selten täglich gereinigt. Diesbezüglich handelt es sich um unbestreitbare und öffentlich dokumentierte fakten.

4. Die zentrale Frage: Wohin sind alle Einnahmen geflossen?

Dies ist die Frage, die Historiker, Journalisten, Kulturinstitutionen und Verdi‑Freunde seit Jahren stellen. Was historisch belegbar ist: Die Villa war ein privates Museum, die Einnahmen flossen direkt an die Eigentümerfamilie. Es gab diesbezüglich keine externe Kontrolle. Ebenfalls gab es scheinbnar keine öffentliche Rechenschaftspflicht. Darüber hinaus existieren wahrscheinlich auch keine öffentlich zugänglichen Finanzunterlagen. Und das bedeutet anders gesagt... der Zustand der Villa zeigt, dass die Einnahmen nicht oder nur gerinfügich in den Erhalt geflossen sind. Mit welcher Moral haben wir dann zu tun, so darf man sich problemlos fragen?

5. Die moralische Dimension

Die Diskrepanz zwischen den hohen Besucherzahlen, den über Jahrzehnte erzielten Einnahmen, und dem sichtbaren Verfall der Villa Verdi ist für viele Menschen und vor allem Verdi-Freunden weltweit schwer zu begreifen. Denn so Verdi mittels sein Testament von 14. Mai 1900: „Alles soll so bleiben, wie ich es hinterlassen habe.“ Doch: der Besitz wurde verkauft, die Villa verfiel, das Archiv war gefährdet, und die Besucher sahen einen Ort, der nicht mehr das Vermächtnis des Maestros entsprach.

Und diese Diskrepanz bildet den Hintergrund für die Ereignisse, die in Teil V beschrieben werden: den Erbstreit, das verschwundene Testament und die Millionenforderungen der Erben. (Weiterlesen... Klicke hier)