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GIUSEPPE VERDI - OFFICINA DEL COMPOSIZIONE

Giuseppe Verdi - La Censura

Wie Wolfgang Amadeus Mozart und sein Librettist Lorenzo Da Ponte hinsichtlich Ihre Oper Le Noze di Figaro ernsthaft mit der Zensur in Konflikt gerieten: Napoléon sagte später sogar darüber: „C’ était la révolution déjà en action“ (Das ist wie die schon ausgebrochene Revolution) so musste Domenico Cimarosa, der Schöpfer der der äußerst erfolgreichen Oper Il matrimonio segreto (1792), die noch am Tag der Uraufführung in Wien auf kaiserlichen Wunsch wiederholt werden musste, in Neapel für sein Leben fürchten, nachdem er wegen es sich beteiligen an einer Austand wegen ein Aufführungsverbot seine Oper zum Tode verurteilt worden war. Er wurde dann jedoch begnadigt und aus seiner Vaterstadt verwiesen – wohl auch weil die Neapolitaner die Hinrichtung des Komponisten niemals zugelassen hätten.

 

 

 Teatro alla Scala (Mailand)
 Gran Teatro La Fenice (Venedig)
 Teatro San Carlo -  Neapel

Und wie in Deutschland Albert Lorzing -er lebte von 1801 bis 1851- ganze sechs zensurfreie Monate erleben durfte... dass war während das Revolutionsjahr 1848, so musste besonders Giuseppe Verdi leidvolle Erfahrungen mit der Zensur machen. In seiner Oper Nabucco (1842) schilderte er am Beispiel der Juden äußerst eindrucksvoll die Not eines Volkes, das nach Freiheit dürstet. Der Gefangenenchor aus diesem Werk fand schnelle Verbreitung und wurde als hervorragender Ausdruck italienischen Patriotismus’ und Freiheitsstrebens gegen die österreichische Herrschaft empfunden. Den amtlichen Stellen der Donaumonarchie war der Komponist seitdem besonders suspekt. Hinzu kam, dass viele Italiener begannen, den Namen Verdi als Abkürzung für Vittore Emanuele Re d’Italia zu lesen, als man sich später darauf verständigt hatte, Victor Emmanuel von Sizilien den Königsthron eines geeinten Italien anzubieten. Man durfte diese Parole zwar damals an keine Mauer schreiben, konnte sich aber in Hochrufen auf den Komponisten ungestraft zu ihr bekennen.Die österreichische Zensur behielt den erfolgreichen Komponisten ständig im Auge: Sei es, um im Rigoletto (1851) – basierend auf Victor Hugos Le roi s’amuse – aus dem in eine Liebesaffäre verwickelten Franz I. von Frankreich einen Herzog von Mantua zu machen oder um den Handlungsort des Maskenball (1859) – es geht um die Ermordung des schwedischen Königs 1792 – nach Nordamerika zu verlegen. Selbst in unseren Tagen sind Verdis Opern noch das Ziel staatlicher Zensur: Noch Mitte der 80er Jahre wurde in Bukarest die Aufführung von Macht des Schicksals wegen des darin vorkommenden Priesterchores verboten. Verdi brachte – was für seine Berufskollegen keineswegs selbstverständlich ist – für solche Rangeleien mit den staatlichen Organen das nötige Selbstbewusstsein mit, das natürlich mit dem musikalischen Erfolg wuchs. Als ihn später der italienische Innenminister ob seiner Verdienst um die italienische Nation zum Ordensmitglied der Corona d’Italia ernennen wollte, schrieb der Komponist kurzerhand zurück: „Ein Brief Eurer Exzellenz – musikkundig, wie Sie sich selbst bezeichnen und wie ich glaube – an Rossini behauptet, seit vierzig Jahren sei in Italien keine Oper mehr geschrieben worden. Warum schickt man mir also den Orden? Es handelt sich bestimmt um eine Verwechslung in der Adresse und ich sende ihn hiermit zurück.Was die Zensoren des 19. Jahrhunderts unternommen hatten, wirkt so gesehen geradezu harmlos gegen die in unserem Jahrhundert über Europa hereingebrochene Musikdiktatur. Arturo Toscanini musste im Mai 1931 am eigenen Leib spüren, dass Ideologie keineswegs vor dem Konzertsaal haltmachte. Der bekannte Dirigent wurde von einem Konzertbesucher öffentlich geohrfeigt, weil er sich geweigert hatte, vor Konzertbeginn die faschistische Nationalhymne Giovinezza zu dirigieren. Doch solche Episoden waren nur ein Vorspiel.  

Aus dem Buch 'Musik und Politik' von Stephan Eisel